Anfang Juni, ich sitze mit 20 anderen “Exoten” in einem ultramodernen Hochhaus mit Blick über die Skyline von Düsseldorf. Wände gibt es nicht, weit und breit ist nur Glas zu sehen. Wir befinden uns im Skyoffice, der Ruhrzentrale von McKinsey. Der Name ist Programm. Es soll einem wohl das Gefühl vermitteln, man sei nun ganz oben angekommen.
Das Recruiting-Team wirkt sehr sympathisch, entgegen aller Vorurteile gegenüber McKinsey. In den nächsten beiden Tagen tun die Mitarbeiter ihr Möglichstes, um uns Teilnehmern die Angst vor einer Tätigkeit als Consultant zu nehmen. Wenn wir ehrlich sind, beziehen sich die ersten Gedanken, die bei dem Stichwort „Consultancy“ auftauchen, auf Burnout mit 28 und ein Sozialleben, dass kurz vor dem Kollaps steht. Die anwesenden Consultants beschwichtigen: Man würde zwar unter der Woche viel arbeiten - eher 12 als 8 Stunden am Tag - aber dafür hätte man am Wochenende so gut wie immer frei.
Die Teilnehmer, meist Mediziner und Naturwissenschaftler, stöhnen auf. Sie wissen nicht ob sie sich das zumuten wollen. Man müsse so viel Reisen und sei weit weg von Freunden und Familie. Man kann nicht mehr Dienstags und Donnerstags Fussball spielen oder wie gewohnt anderen Hobbies nachgehen. Und 12 Stunden am Tag seien doch auf Dauer wirklich arg lange. Die "Up or Out" policy. Der ganze Stress.
Ich ertappe mich bei der ganzen Diskussion dabei, wie meine Gedanken zu meinen jetzigen Arbeitszeiten schweifen, zum Leben das ich derzeit führe.