Editorial: Krieg in Europa
Wie erleben Fachleute in der Ukraine, in Russland und anderswo das, was gerade passiert? Was bedeuten die Ereignisse für die Rüstungskontrolle, den Bankensektor, humanitäre Organisationen?
1. März 2022

Ein Beitrag von Igor Mitchnik
„Erster Geschäftsführer von Austausch e.V., einer NGO, die internationale zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit und Demokratieförderung in Ost- und Mitteleuropa, dem Südkaukasus und Zentralasien vorantreibt. Zuvor war er in verschiedenen zivilgesellschaftlichen, humanitären und analytischen Projekten tätig, die sich auf Krisen- und Konfliktgebiete in diesen Regionen konzentrierten. Von 2019 bis 2021 gründete und leitete er in der Ostukraine das Feldbüro von Austausch e.V., das zivilgesellschaftliche Zentrum „Drukarnia“ in Slowjansk (Region Donezk). Anschließend blieb die Ukraine sein Arbeitsschwerpunkt, wo er mit NGOs wie Community Organized Relief Effort (CORE) und Mercy Corps bis Februar 2024 vor Ort zusammenarbeitete. Igor Mitchnik verfügt über einen Doppelmasterabschluss in Politics and Security vom University College London und der Universität Tartu in Estland.“
01.03.2022 — Iași, Rumänien
Gedanken von Igor Mitchnik, der sich bei Kriegsbeginn in Kyjiw befand.
Dieses eigentlich wunderbare Interview-Gespräch mit Dinah Riese obviously didn’t age well. Ich steckte bis vor zwei Tagen selbst noch in der Ukraine und bin seit Montag nun sicher in Rumänien. Mir fehlen noch immer die passenden Worte für diesen Albtraum und das Blutbad, das Russland grundlos entfesselt hat.
Die im Interview erwähnte Stadt Schtschastja wurde inzwischen fast vollständig zerstört und von Russland besetzt. Das alles ist eine menschliche, humanitäre und politische Katastrophe. Kein Mensch mit auch nur einem Funken Anstand und bei klarem Verstand kann sich noch irgendwelche Illusionen über die Natur dieses blutrünstigen Regimes und seiner verbrecherischen Verbündeten machen.

Nun ist inzwischen auch klar, dass die Unterstützung allein zivilen Widerstands wohl lange nicht ausreichen wird. Aus dem Interview: „Je nachdem, wie Russland weiter agiert, muss die EU diejenigen Gruppen unterstützen, die sich einer russischen Okkupation zivil widersetzen werden. Vor allem muss alles getan werden, um die Zivilgesellschaft weiter am Laufen zu halten. Es geht in der Ukraine derzeit nicht nur um das Land, sondern um ganz Europa.“

Hier diskutieren Fachleute ihre Erfahrung aus der Praxis. Alle drei Monate erscheint ein thematischer Blog zu einer drängenden Frage der internationalen Politik und Zusammenarbeit.